Wir für (mehr als nur) unsere Stadt!

Moin HSV-Fans,

Anfang Februar haben wir euch dazu aufgerufen, nicht genutzte Kombitickets für das Spiel VfL Wolfsburg – FC Augsburg zu spenden.

Zur Erinnerung: der VfL Wolfsburg hat durch den Verkauf dieser Tickets versucht, seine Zuschauerflaute auf dem Rücken von HSV-Fans auszugleichen, welche unser Auswärtsspiel in neutralen Blöcken verfolgen wollten. Mehr Infos hierzu findet ihr im Aufruf hier.

Durch eure Mitwirkung an der Aktion konnten wir gemeinsam mehr als 50 Kindern, Jugendlichen und Erziehern eines Kinder- und Jugendhauses aus der Nähe von Wolfsburg einen kostenlosen Stadionbesuch ermöglichen. Der Wert der gespendeten Tickets lag bei über 4.000€ – Geld, von dem Menschen in schwierigen Lebenssituationen eine Freude gemacht werden konnte, anstatt einen seelenlosen Plastikclub davon profitieren zu lassen. Wir hoffen, dass besagtes Konstrukt sich zukünftig ein Beispiel daran nimmt und seiner sozialen Verantwortung gerecht wird, anstatt Fans mit willkürlichen Ticketpaketen abzuzocken.

Vielen Dank an alle Fanclubs und Einzelpersonen, die diese Aktion durch ihre Ticketspenden möglich gemacht haben! Wer mehr über die Einrichtung erfahren möchte, findet hier weitere Infos.

Wir für (mehr als nur) unsere Stadt!

Förderkreis Nordtribüne
Im März 2026

Transparenzoffensive zur Überarbeitung der SV-Richtlinien

Vor rund zwei Wochen meldeten wir, die Fanszenen Deutschlands, uns bereits mit einer Stellungnahme bezüglich der in Hinterzimmern des DFB erarbeiteten neuen Stadionverbots-Richtlinie. Seitdem herrscht vor allem eins: Stille.

Zwar hat die DFL erstaunlich schnell – bereits am Freitag der Veröffentlichung unserer Stellungnahme – mit einem internen Schreiben an die Vereine reagiert. Die große Chance, nun endlich mit offenen Karten zu spielen, wurde jedoch abermals vertan.

Nun ist es für uns nichts Neues, dass wir Fans in Entscheidungen oder Prozesse der DFL nicht eingebunden werden. Dass allerdings selbst Vereine – teilweise gänzlich – außen vor gelassen werden, ist durchaus verwunderlich.

Das besagte Schreiben der DFL verbreitet dabei auch ganz bewusst Lügen. So ist beispielsweise die Rede davon, die Vereine „umfassend über mögliche Änderungen“ informiert zu haben. Tatsächlich sind allerdings kritische Vereinsvertreter mit irreführenden Falschaussagen aufs Glatteis geführt und kaltgestellt worden. Auch eine erwähnte Videokonferenz fand lediglich im Monologform statt, ohne die Chance auf Rückfragen.

Im Gegensatz zur DFL haben wir die vergangenen Tage genutzt und sind mit unseren Vereinen ins Gespräch gegangen. Die Erkenntnis daraus: Bis heute wissen die Vereine über die geplanten Veränderungen in der SV-Richtlinie nicht oder bestenfalls nur rudimentär Bescheid! Da passt es ins Bild, dass auch im Rahmen der Regionalkonferenzen in der Woche vom 16. bis 20. Februar 2026 in Frankfurt Informationen zur Überarbeitung der Stadionverbots-Richtlinien Fehlanzeige blieben.

Nun ist es natürlich schwierig, über Sachen zu urteilen, deren Inhalt man nicht kennt. Die DFL spricht gerne von „Transparenz“ – doch versagt dann gleich im ersten Schritt, diese zu schaffen.

Als transparenzliebende Fans sehen wir uns somit in der Pflicht, nun unsererseits mit einer Transparenzoffensive Licht ins Dunkel zu bringen. Denn wir wissen ganz genau Bescheid, welche Maßnahmen geplant sind.

Daher möchten wir im Folgenden Paragraphen aus dem Entwurfspapier der DFL zitieren:
2 (3) beschreibt die Errichtung einer Stelle, welche dazu ermächtigt und verpflichtet wird, entsprechende Entscheidungen im Zusammenhang mit Stadionverboten zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen. Tätig werden soll diese sogenannte „Fachaufsicht“ selbstständig, auf Antrag einer lokalen SV-Kommission oder auf Antrag der Polizei oder anderer Strafverfolgungsbehörden.
Die zentrale Fachaufsicht ist gemäß des Abschnitts b) weisungsbefugt gegenüber den lokalen Stadionverbots-Kommissionen. Bei Nicht-Einhaltung einer Weisung kann die Fachaufsicht die entsprechenden Maßnahmen treffen.

Es lässt sich also festhalten: Sollte dieser Paragraph so umgesetzt werden, werden die lokalen Stadionverbots-Kommissionen de facto zum Papiertiger. Spätestens wenn der Polizei die Möglichkeit gegeben wird, per Antrag die Fachaufsicht einzuschalten, verlieren die lokalen Kommissionen ihre Bedeutung!
5 (vormals §4) (3) legt fest, dass ein Stadionverbot auszusprechen ist, wenn die Stadionverbotskommission (lokal oder zentral) Kenntnis von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Strafverfolgungsbehörden erlangt. Zwar ist die Rede von der „Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls“, grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass hiermit die Vergabe von Stadionverboten nach dem Gießkannen-Prinzip ermöglicht wird. Denn bei Nicht-Erteilung eines Stadionverbots, etwa weil die lokale Stadionverbots-Kommission den Fortgang des Ermittlungsverfahrens oder den Ausgang des etwaigen, folgenden Gerichtsverfahrens abwarten möchte, kann die Polizei die Fachaufsicht anrufen und diese zieht dann die Aussprache der Stadionverbote an sich. Dass Ermittlungsverfahren eingestellt werden oder in Freisprüchen enden können, interessiert Verbände, Politik und Polizei bei der „Präventivmaßnahme“ Stadionverbot nicht.

5 (vormals §4) (4) besagt zudem, dass Stadionverbote sogar ausgesprochen werden können, ohne dass ein Ermittlungs- oder sonstiges Verfahren eingeleitet wurde. Hierfür sollen künftig Ingewahrsamnahmen oder Aufenthaltsverbote ausreichen. Im Kontext der vergangenen Wochen, in denen vermehrt Fanszenen aus fadenscheinigen Gründen an ihrer Auswärtsreise gehindert wurden, würde dieser Paragraph das Tor für den Ausschluss großer Fangruppen öffnen. Und eins ist sicher: Sobald der Polizei dieser Hebel in die Hand gelegt wird, wird sie ihn auch nutzen!
Dies sind nur kurze Auszüge aus dem insgesamt 9 Seiten langen Dokument. Wir möchten diese aber mit unserer Stellungnahme öffentlich machen, um aufzuzeigen, was sich hinter verschlossenen Türen zusammenbraut. In Kraft treten sollen diese Maßnahmen bereits zum 1. Juli 2026, was einen ambitionierten Zeitplan bei zugleich herrschender Intransparenz bedeutet.

Da wir den Glauben an eine diskussionsorientierte Lösung bei DFL, DFB und Politik schon längst verloren haben, nehmen wir daher unsere Vereine in die Pflicht, sich diesen geplanten Maßnahmen entschieden und mit allen Mitteln entgegenzustellen!

Die Fanszenen Deutschlands im März 2026

Spieltagszerstückelung stoppen!

Moin HSV-Fans,

wir spielen unsere erste Bundesliga-Saison seit Jahren und füllen dabei alle Stadien. Auch vor den TV-Geräten ist der HSV ein echter Quotengarant. Das Ganze auch noch unabhängig vom sportlichen Erfolg und vor allem auch egal bei welchem Gegner. Klingt erstmal alles positiv, hat aber eben auch seine Nachteile. Gegen die unbeliebten Dosen aus Leipzig (eine kritische Einordnung findet ihr hier) spielen wir schon zum zweiten Mal (erstes Mal: Union Berlin auswärts) in dieser Saison am Sonntag um 19:30 Uhr.

Grundlegend sieht der Spielplan das Freitagabendspiel (20:30 Uhr), die Samstagsspiele (15:30 Uhr) mit dem anschließenden Top-Spiel (18:30 Uhr) und zwei Partien am Sonntag (15:30/17:30 Uhr) vor. Findet unter der Woche ein europäischer Wettbewerb statt, so wird eine Partie von Samstag um 15:30 Uhr auf den Sonntagabend um 19:30 Uhr geschoben. Einmal zur Einordnung: der Termin am Sonntagabend wurde für die Europapokalteilnehmer eingeführt, um diese zu entlasten. Weder spielt Union Berlin noch Red Bull dieses Jahr im Europapokal.

Was steckt also dahinter? Gibt es mehr Europapokalteilnehmer? Oder eine Änderung im System des europäischen Wettbewerbs?

Die Antwort ist leider im Vermarktungswahn der DFL zu finden. Zwar haben die Anstoßzeiten keinerlei Einfluss auf die TV-Gelder oder deren Verteilung, aber die Partner haben so genannte Pick-Rechte. Das bedeutet, die Pay-TV-Sender können Einfluss auf den Spielplan nehmen und gewisse Partien auf ihre Sendezeiten legen lassen. In der letzten Saison hat dies neben den Bayern auch Quotenbringer wie Bremenund andere Traditionsklubs getroffen. Eine hohe Quote erreicht man mit Wolfsburg, Hoffenheim oder eben auch Red Bull erstmal nicht.
Und auch der Verband hat ein Interesse an hohen Einschaltquoten, da der nächste TV-Vertrag oder Investorendeal gejagt wird und man so eine deutlich bessere Verhandlungsbasis hat. Hinzu kommt, dass es in der Vorsaison noch 11 Partien zu dieser unmöglichen Anstoßzeit waren, in dieser Saison sind es sogar geplante 15.

Bringen wir es einmal auf den Punkt: Die DFL belügt die Fans und die Vereine seit Einführung der neuen Anstoßzeit. Hatte man nach Abschaffung der Montagsspiele noch eine berechtigte Hoffnung auf eine sinnvolle Verbesserung, so ist man durch den Missbrauch der Sonntagabendspiele wieder beim gleichen Thema. Da, auch nur wenn die Quoten passen,die von der DFL selbstauferlegte 300km-Regel für Auswärtsfans eingehalten wird, heißt es Urlaub nehmen, um das Spiel des eigenen Vereins im Stadion sehen zu können. Was für uns schon anstrengend werden kann, ist für die Fans von europäisch spielenden Teams nochmal um ein Vielfaches schlimmer. Seit Einführung des Ligensystems im Europapokal braucht man gefühlt schon jede Woche freie Tage.

Wir stehen ganz klar für fangerechte Anstoßzeiten ein und fordern die DFL auf, die weitere Zerstückelung der Spieltage zu stoppen. Zudem sollen die vereinbarten Regeln eingehalten und nicht zu Marketingzwecken missbraucht werden. Der Fußball muss für alle Menschen gleichermaßen zugänglich sein und das Ausleben der Fankultur sowie die Unterstützung der Mannschaft problemlos möglich sein.  

Für fangerechte Anstoßzeiten!

Förderkreis Nordtribüne e.V.
Im Februar 2026

 

 

 

Keine Akzeptanz für Red Bull

Moin HSV-Fans,

am kommenden 24. Spieltag empfangen wir zum ersten Mal seit 2019 wieder RB Leipzig bei uns im Volksparkstadion. In diesen vergangenen 7 Jahren hat sich viel getan: Unser Verein hat den Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft, sich personell und strukturell neu aufgestellt, und auch unsere Fanszene hat in diesen Jahren einen intensiven Wandel durchlaufen. Was sich nicht geändert hat, ist unsere klare Haltung zum anstehenden Gegner: Wir lehnen das Konstrukt RB Leipzig in all seinen Facetten nach wie vor ab!

Und insbesondere weil die Dosen mittlerweile seit einigen Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse spielen, gilt es, einer Normalisierung und schleichenden Akzeptanz dieses Konstrukts entgegenzutreten und auch jüngeren HSV-Fans, die gar keine Bundesliga ohne RB mehr kennen, zu vermitteln, dass am Sonntag kein gewöhnliches Heimspiel stattfindet.

Deshalb möchten wir Euch im Folgenden nochmals die zentralen Gründe für unsere Ablehnung darlegen.

1. Red Bull bricht die 50+1-Regel

Die 50+1-Regel ist das zentrale Alleinstellungsmerkmal des deutschen Profifußballs. Sie schützt die Vereine vor zu großer externer Einflussnahme durch Investoren, wie sie z.B. in England weit verbreitet ist. So wird verhindert, dass sich Geldgeber ihren eigenen Profiverein kaufen und ungehindert frei über diesen verfügen können.

Solche Szenarien sollen unterbunden werden, indem DFB und DFL in ihren Satzungen vorschreiben, dass Vereine, deren Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert wurde, nur dann eine Lizenz bekommen, wenn der Mutterverein / e.V. über 50 % der Stimmenanteile zuzüglich mindestens eines weiteren Stimmenanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügt. Sprich: Der e.V., dessen höchstes Organ die Mitgliederversammlung darstellt, muss auch bei ausgegliederten Profiabteilungen immer die Stimmenmehrheit und somit die Kontrolle innehaben. So wird sichergestellt, dass die Mitglieder des e.V. die Entwicklung der Profiabteilung entscheidend mitbeeinflussen und etwaige Fehlentwicklungen verhindern können.

Dieses Prinzip der Basisdemokratie und Partizipation umgeht RB Leipzig, indem der Zugang zum e.V. als stimmberechtigtes Mitglied hier nicht wie üblich allen „Fans“ offensteht. So besitzt der RB Leipzig e.V. nur 23 stimmberechtigte Mitglieder, die alle in enger geschäftlicher Beziehung zum Unternehmen Red Bull stehen. Zum Vergleich: Der HSV hat über 100.000 stimmberechtigte Mitglieder. Den „Anhängern“ des Konzernclubs steht lediglich eine Förder-„Mitgliedschaft“ ohne Stimmrecht zur Verfügung. Wie präsent die demokratischen Grundprinzipien des deutschen Vereinsrechts wie aktive Teilhabe und Meinungsvielfalt bei einer Mitgliederversammlung sind, die aus 23 von Red Bull handverlesenen Mitgliedern besteht, kann sich ein jeder selbst ausmalen. Dementsprechend ist es auch irrelevant, dass der e.V. formal die Stimmenmehrheit über die ausgegliederte RB Leipzig GmbH innehat. Denn durch die beschriebenen Einschränkungen stellt der Konzern Red Bull sicher, dass der RB Leipzig e.V. keine eigenständigen Entscheidungen trifft, sondern stets auf Konzernlinie bleibt. Das gesamte Konstrukt RB Leipzig ist somit undemokratisch und unterliegt ausschließlich der Kontrolle eines einzigen Konzerns – ein klarer Bruch der 50+1-Regel.

Das ist übrigens nicht nur die Meinung von aktiven Fans, auch Sportrechtsanwälte und jüngst das Bundeskartellamt teilen diese Ansicht. Letzteres mahnte die DFL im Juni 2025 an, die 50+1-Regel u.a. bei RB Leipzig konsequenter durchzusetzen, da es dort wie beschrieben an demokratischen Strukturen mangelt (Stellungnahme des Bundeskartellamts hier).

Wir sind gespannt, wann die DFL dieser Aufforderung nachkommt.

2. Mit Red Bull wird ein ganzer Verein als bloße Werbefläche missbraucht

Die Motivation, warum der Konzern Red Bull seinen „Verein“ 2009 überhaupt gründete und durch seine Milliarden mit aller Gewalt in die Bundesliga peitschte, lässt sich auf einen einzigen Begriff reduzieren: Marketing.

Alle deutschen Vereine von Bundesliga bis Kreisklasse gründeten sich in ihrem Ursprung mit dem Ziel, Sport zu treiben, zu fördern und Menschen eine sportliche Heimat zu bieten. (Das gilt selbst für die Werksvereine aus Leverkusen und Wolfsburg, deren heutigen Strukturen dennoch ebenso zu kritisieren sind. Siehe bspw. Stellungnahme der Fanszenen Deutschland vom Juni 2025). Erst im Anschluss kamen Sponsoren zur Finanzierung des sportlichen Treibens hinzu, die sich zumindest im Rahmen der 50+1-Regel außerhalb der Vereinsstrukturen bewegen. Prinzip: Erst der Verein, dann der Sponsor.

Red Bull kehrt dieses Prinzip um, gründete seinen eigenen Verein und stellt insofern ein Novum im deutschen Fußball dar: Erst der Sponsor, dann der Verein. Jede einzelne Handlung dieses Konstrukts dient seit seiner Gründung einzig und allein einem Zweck: Dem Konzern Red Bull zu mehr Umsatz zu verhelfen. Vereinsname und -logo sind dementsprechend so nahe wie möglich an Firmennamen und -logo angelehnt. Dass dies eigentlich den Aussagen der DFL-Statuten widerspricht („Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig“), sorgte 2014 nach dem Zweitligaaufstieg von RB zwar für Probleme bei der Lizenzerteilung, doch nach ein paar Alibi-Änderungen am Logo nickte der DFL-Lizenzierungsausschuss trotz Widerstand aus den eigenen Reihen das Konstrukt RB schließlich ab und schuf damit Tatsachen. Zu groß war die Angst vor einem jahrelangen Rechtsstreit mit möglichen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe.

Letztlich ist es aber auch zweitrangig, ob Name und Logo des Leipziger Konstrukts durch Satzungslücken und schamlose Juristerei in Graubereichen rechtlich noch irgendwie gedeckt sind oder nicht. Wenn Vereine und ihre Wappen nicht mehr als Merkmale der Identifikation und Zugehörigkeit für ganze Fangenerationen dienen, sondern zu stumpfen Werbeobjekten ohne gesellschaftliche Verankerung verkommen, verliert der deutsche Fußball langfristig jene Eigenschaften, die ihn überhaupt erst populär und reizvoll machten und jedes Wochenende Hunderttausende in die Stadien locken.

3. Red Bull verzerrt den Wettbewerb

Damit sich die Masche, einen ganzen Fußballclub als Werbefläche zu missbrauchen, aus ökonomischer Sicht überhaupt lohnt, muss dieser natürlich in den höchsten sportlichen Sphären mit der größten Medienpräsenz spielen – und das ließ sich der Konzern Red Bull logischerweise einiges kosten. Laut Medienberichten steckte der Getränkehersteller allein in den 10 Jahren nach Vereinsgründung mehr als eine halbe Milliarde Euro in seinen „Verein“ und das Projekt Profifußball. Buchhalterisch getarnt als Darlehen, überhoch dotierte Sponsoringzahlungen, Schuldenerlasse in dreistelliger Millionenhöhe, usw. usf.

Das führte insbesondere in den Jahren vor dem Bundesligaaufstieg zu völlig verzerrten Zuständen: Die Transfer- und Gehaltsausgaben von RB überschritten die der jeweiligen Ligakonkurrenz um mehr als das 10-fache, bei gleichzeitig nahezu keinen Einnahmen.
So stehen auf der einen Seite die zahlreichen Traditionsvereine, die unter Wahrung von 50+1 Jahr für Jahr um einen Platz im Profifußball kämpfen. Etwaig aufgenommene Finanzdarlehen bedeuten für diese ein erhebliches Risiko, das bei sportlichem Misserfolg zur Zahlungsunfähigkeit führen kann. Auf der anderen Seite steht ein Milliardenkonzern, der seinen Werbeverein gründet und ihn mit astronomisch hohen Geldsummen an der Konkurrenz vorbei bis in die Champions League prügelt. Fallhöhe gleich 0 – denn sollten sich trotz unverhältnismäßig hoher Investitionen keine ausreichend hohen Gegeneinnahmen durch sportlichen Erfolg einstellen, werden die Schulden schlicht durch den milliardenschweren Mutterkonzern ausgeglichen.

Dass bei den offiziellen 50+1-Ausnahmen Leverkusen und Wolfsburg mit ihren Weltkonzernen im Rücken ähnliche Mechanismen greifen, bessert den Umstand in Leipzig nicht. Es zeigt vielmehr auf, warum die vom Kartellamt geforderte Beendigung der Sonderrechte der Werksvereine und das konsequente Durchsetzen von 50+1 bei allen Vereinen so dringend notwendig ist. Wer angesichts dieser Zustände von einem fairen Wettbewerb mit Chancengleichheit und sportlicher Integrität spricht, verkennt die Realität.

RB geht sogar noch einen Schritt weiter: Qua Gründung ist man neben Clubs aus u.a. Salzburg und Liefering Teil des Netzwerks der Red Bull-Vereine. In solchen Multi-Club-Ownerships (MCOs) wirkt in der Regel einer der Vereine als sportliche Speerspitze, während die anderen als „Farmteams“ (also Ausbildungsvereine) für diesen dienen. Warum? Weil es für die Besitzer, in dem Fall die Red Bull GmbH, finanziell lukrativer ist, einen sehr erfolgreichen neben zwei unerfolgreichen Vereinen zu besitzen, als drei mittelmäßig erfolgreiche Vereine unter sich zu haben. Neben der sportlichen Zusammenarbeit bieten MCOs strukturelle Wettbewerbsvorteile, weil sie Transfers und Finanzströme zwischen den Clubs strategisch steuerbar machen – etwa um die Financial-Fairplay-Regeln der UEFA künstlich zu umgehen. So verpflichtete RB Leipzig in der Vergangenheit eine auffallend hohe Zahl an Spielern aus Salzburg zu ungewöhnlich niedrigen Transfersummen. Der Ärger der Salzburger „Fans“ über diese Zustände, etwa 2016 in einem offenen Brief an Mateschitz & Co. geäußert („Der stolze FC Red Bull Salzburg wurde zum Farmteam des sächsischen Ablegers degradiert!“), löst zwar eher Belustigung als Besorgnis aus – die zugrundeliegende Wettbewerbsverzerrung bedroht die Integrität unseres Sports jedoch elementar.

Fazit

Ja, RB hat den kommerziellen Fußball nicht erfunden. Ja, auch der HSV ist auf Sponsorengelder angewiesen. Ja, auch der HSV hat Anteile an Investoren verkauft. Und ja, der HSV hat trotz Rechtsformwechsel auch heute noch mit Einflussnahme durch Anteilseigner wie Kühne und Hanse Merkur zu kämpfen. Aber gerade weil wir uns als Fans eines Profivereins innerhalb des Spannungsfelds zwischen basisdemokratisch organisiertem Volkssport und überdrehtem Milliardenbusiness bewegen, ist es unabdingbar, rote Linien zu definieren und innerhalb wie außerhalb unseres Vereins dafür zu kämpfen, dass diese eingehalten werden – ansonsten werden wir unseren Sport in einigen Jahren nicht mehr wiedererkennen. Und diese roten Linien werden mit Füßen getreten, wenn 50+1 und das Vereinsrecht bis zur Unkenntlichkeit ausgehöhlt werden, Vereine zu Werbeobjekten verkommen und der faire Wettbewerb durch faule Tricks von Milliardenkonzernen ausgehebelt wird. Und genau deshalb lehnen wir RB ab. Nicht, weil wir naive Traditionalisten ohne Blick nach vorne sind. Sondern weil wir für eine nachhaltige Zukunft eines sportlich fairen, identitätsstiftenden Fußballs mit gesellschaftlicher Verankerung und demokratischen Vereinen kämpfen. Und das Leipziger Konstrukt steht diesen Werten in jeglicher Hinsicht entgegen.

Darum gilt, mehr als je zuvor:

KEINE AKZEPTANZ FÜR RED BULL!

Förderkreis Nordtribüne e.V.
Im Februar 2026

Sponsoren, Haltung und soziale Nachhaltigkeit beim HSV

Welche Werte soll der HSV vertreten – und werden diese aktuell noch glaubwürdig gelebt? Das ist für uns eine essenzielle Frage, insbesondere mit Blick auf Investoren und Sponsoren. Unser Verein sollte eigenständig handeln können, mit klarer Haltung auftreten und so ein authentisches Bild nach innen wie nach außen vermitteln. Uns ist bewusst, dass dies angesichts wirtschaftlicher Zwänge und im Wettbewerb mit reinen Werks- oder Investorenkonstrukten kein leichtes Unterfangen ist.

Rund um den Aufstieg in die Bundesliga geht die Balance zunehmend verloren. Wirtschaftlicher Druck dient immer häufiger als Rechtfertigung für Entscheidungen, die dem eigenen Anspruch widersprechen. Gerade bei der Auswahl von Sponsoren zeigen sich negative Entwicklungen: Zwar wurden mit dem Rechtsformwechsel zur HSV Fußball AG & Co. KGaA einst Leitplanken für Investoren und Sponsoren in Aussicht gestellt – in der Praxis sind diese jedoch kaum noch erkennbar. Wir äußerten uns bereits kritisch zu dem HSV-Partner BET365, der zudem erst kürzlich in einer ARD-Recherche, auch mit Stimmen des HSV Supporters Club, kritisch beleuchtet wurde. Und wir bleiben dabei: Ein solcher Partner schadet dem Ansehen unseres Vereins und bringt insbesondere seine jungen Mitglieder in Gefahr. Dieses Sponsoring ist aber leider kein Einzelfall. Weitere Beispiele zeigen, dass wir ein strukturelles Problem in unserem Verein haben.

Beispiel Shell – Greenswashing Deluxe

Mit der Verlängerung der Partnerschaft mit Shell hat uns der HSV massiv enttäuscht. Shell steht weltweit für die systematische Ausbeutung natürlicher Ressourcen, für problematische Arbeitsbedingungen in Förderregionen, für die Verzögerung von Klimazielen und für gezielte Desinformation. Diese Kritik betrifft nicht nur ökologische Fragen, sondern ganz zentral auch soziale Verantwortung und Menschenrechte.

Dass der HSV diese Partnerschaft als Beitrag zur „Nachhaltigkeit“ kommuniziert – unter anderem durch das Aufstellen einiger weniger E-Ladesäulen – ist ein klassisches Beispiel für Greenwashing. Es ersetzt keine glaubwürdige Strategie und konterkariert den Anspruch sozialer Nachhaltigkeit. Kurzfristige Einnahmen werden hier höher gewichtet als faire Arbeit, Teilhabe und Menschenwürde. Damit verliert der Verein an gesellschaftlicher Glaubwürdigkeit und schwächt zugleich die Arbeit der eigenen Nachhaltigkeits- und Fankulturabteilungen.

Beispiel Sparda-Bank – Missachtung eigener Leitplanken

Auch der Einstieg der Sparda-Bank, als Anteilseigner der HSV Fußball AG, wirft grundlegende Fragen auf. In der öffentlichen Kommunikation wurde dieser Deal als partnerschaftlicher Erfolg dargestellt, obwohl er bei genauer Betrachtung den eigenen Versprechungen widerspricht.
Die Sparda-Bank ist eine Genossenschaftsbank und damit verpflichtet, im wirtschaftlichen Interesse ihrer Mitglieder zu handeln. Das macht die Sparda Bank zu einem reinen Finanzinvestor, was im Rahmen der Rechtsformänderung eigentlich ausgeschlossen wurde.

Die Argumentation, man sei lediglich „Vermittler“ gewesen, überzeugt nicht. Wer Leitplanken formuliert, muss sie auch anwenden – insbesondere dann, wenn es unbequem wird. Eine klare Haltung hätte eine kritische Einordnung oder Ablehnung dieses Deals erfordert.
Im Sinne von Transparenz und Integrität wäre es konsequent, die Anteile der Sparda-Bank zeitnah an einen wertekompatiblen Anteilseigner zu übertragen.

Das strukturelle Problem – Fehlendes Leitbild

Diese beiden Beispiele stehen stellvertretend für ein größeres Problem: Der HSV verfügt aktuell über kein verbindliches, gelebtes Leitbild, das soziale Nachhaltigkeit, Gemeinwohlorientierung und wirtschaftliche Entscheidungen zusammenführt. Sponsoring wird primär finanziell bewertet, nicht inhaltlich. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Symbolik. Sie umfasst den Schutz junger Menschen, faire Arbeitsbedingungen, Chancengerechtigkeit und Verantwortung gegenüber der Stadt und ihren Menschen. Ein Verein wie der HSV darf sich nicht neutral verhalten, wenn Partner diesen Werten offensichtlich widersprechen.

Unser Fazit und unsere Forderungen
Der HSV verpasst derzeit die Chance sich als wertebasierter Traditionsverein klar zu positionieren. Stattdessen droht er im reinen Marktdenken aufzugehen. Es gibt bereits Sponsoren beim HSV, die Haltung, Werte und Wirtschaftlichkeit vereinen. Es ist also möglich. Es muss nur konsequent verfolgt werden.

Wir fordern daher:

  • eine Neufassung und verbindliche Verankerung von Leitplanken für Sponsoren und Investoren
  • eine Werte- und Nachhaltigkeitsrichtlinie, insbesondere mit Blick auf soziale Verantwortung
  • die konsequente Abgrenzung von Greenwashing-Partnerschaften
  • Transparenz und Einbindung bei grundlegenden wirtschaftlichen Entscheidungen

Natürlich sind wir jederzeit bereit, uns an der Gestaltung eines Leitbildes zu beteiligen. Es gibt Beispiele von Sponsorings beim HSV, die schon heute im Sinne eines solchen Leitbilds sind.
Der Hamburger SV ist ein gesellschaftlicher Akteur in Hamburg und darüber hinaus. Diese Verantwortung verlangt Haltung – gerade dann, wenn sie Geld kostet. Nur so bleibt der HSV ein Verein mit klaren Werten und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein.

Förderkreis Nordtribüne e.V.
Im Februar 2026

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