Sponsoren, Haltung und soziale Nachhaltigkeit beim HSV

21. Februar 2026

Welche Werte soll der HSV vertreten – und werden diese aktuell noch glaubwürdig gelebt? Das ist für uns eine essenzielle Frage, insbesondere mit Blick auf Investoren und Sponsoren. Unser Verein sollte eigenständig handeln können, mit klarer Haltung auftreten und so ein authentisches Bild nach innen wie nach außen vermitteln. Uns ist bewusst, dass dies angesichts wirtschaftlicher Zwänge und im Wettbewerb mit reinen Werks- oder Investorenkonstrukten kein leichtes Unterfangen ist.

Rund um den Aufstieg in die Bundesliga geht die Balance zunehmend verloren. Wirtschaftlicher Druck dient immer häufiger als Rechtfertigung für Entscheidungen, die dem eigenen Anspruch widersprechen. Gerade bei der Auswahl von Sponsoren zeigen sich negative Entwicklungen: Zwar wurden mit dem Rechtsformwechsel zur HSV Fußball AG & Co. KGaA einst Leitplanken für Investoren und Sponsoren in Aussicht gestellt – in der Praxis sind diese jedoch kaum noch erkennbar. Wir äußerten uns bereits kritisch zu dem HSV-Partner BET365, der zudem erst kürzlich in einer ARD-Recherche, auch mit Stimmen des HSV Supporters Club, kritisch beleuchtet wurde. Und wir bleiben dabei: Ein solcher Partner schadet dem Ansehen unseres Vereins und bringt insbesondere seine jungen Mitglieder in Gefahr. Dieses Sponsoring ist aber leider kein Einzelfall. Weitere Beispiele zeigen, dass wir ein strukturelles Problem in unserem Verein haben.

Beispiel Shell – Greenswashing Deluxe

Mit der Verlängerung der Partnerschaft mit Shell hat uns der HSV massiv enttäuscht. Shell steht weltweit für die systematische Ausbeutung natürlicher Ressourcen, für problematische Arbeitsbedingungen in Förderregionen, für die Verzögerung von Klimazielen und für gezielte Desinformation. Diese Kritik betrifft nicht nur ökologische Fragen, sondern ganz zentral auch soziale Verantwortung und Menschenrechte.

Dass der HSV diese Partnerschaft als Beitrag zur „Nachhaltigkeit“ kommuniziert – unter anderem durch das Aufstellen einiger weniger E-Ladesäulen – ist ein klassisches Beispiel für Greenwashing. Es ersetzt keine glaubwürdige Strategie und konterkariert den Anspruch sozialer Nachhaltigkeit. Kurzfristige Einnahmen werden hier höher gewichtet als faire Arbeit, Teilhabe und Menschenwürde. Damit verliert der Verein an gesellschaftlicher Glaubwürdigkeit und schwächt zugleich die Arbeit der eigenen Nachhaltigkeits- und Fankulturabteilungen.

Beispiel Sparda-Bank – Missachtung eigener Leitplanken

Auch der Einstieg der Sparda-Bank, als Anteilseigner der HSV Fußball AG, wirft grundlegende Fragen auf. In der öffentlichen Kommunikation wurde dieser Deal als partnerschaftlicher Erfolg dargestellt, obwohl er bei genauer Betrachtung den eigenen Versprechungen widerspricht.
Die Sparda-Bank ist eine Genossenschaftsbank und damit verpflichtet, im wirtschaftlichen Interesse ihrer Mitglieder zu handeln. Das macht die Sparda Bank zu einem reinen Finanzinvestor, was im Rahmen der Rechtsformänderung eigentlich ausgeschlossen wurde.

Die Argumentation, man sei lediglich „Vermittler“ gewesen, überzeugt nicht. Wer Leitplanken formuliert, muss sie auch anwenden – insbesondere dann, wenn es unbequem wird. Eine klare Haltung hätte eine kritische Einordnung oder Ablehnung dieses Deals erfordert.
Im Sinne von Transparenz und Integrität wäre es konsequent, die Anteile der Sparda-Bank zeitnah an einen wertekompatiblen Anteilseigner zu übertragen.

Das strukturelle Problem – Fehlendes Leitbild

Diese beiden Beispiele stehen stellvertretend für ein größeres Problem: Der HSV verfügt aktuell über kein verbindliches, gelebtes Leitbild, das soziale Nachhaltigkeit, Gemeinwohlorientierung und wirtschaftliche Entscheidungen zusammenführt. Sponsoring wird primär finanziell bewertet, nicht inhaltlich. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet mehr als Symbolik. Sie umfasst den Schutz junger Menschen, faire Arbeitsbedingungen, Chancengerechtigkeit und Verantwortung gegenüber der Stadt und ihren Menschen. Ein Verein wie der HSV darf sich nicht neutral verhalten, wenn Partner diesen Werten offensichtlich widersprechen.

Unser Fazit und unsere Forderungen
Der HSV verpasst derzeit die Chance sich als wertebasierter Traditionsverein klar zu positionieren. Stattdessen droht er im reinen Marktdenken aufzugehen. Es gibt bereits Sponsoren beim HSV, die Haltung, Werte und Wirtschaftlichkeit vereinen. Es ist also möglich. Es muss nur konsequent verfolgt werden.

Wir fordern daher:

  • eine Neufassung und verbindliche Verankerung von Leitplanken für Sponsoren und Investoren
  • eine Werte- und Nachhaltigkeitsrichtlinie, insbesondere mit Blick auf soziale Verantwortung
  • die konsequente Abgrenzung von Greenwashing-Partnerschaften
  • Transparenz und Einbindung bei grundlegenden wirtschaftlichen Entscheidungen

Natürlich sind wir jederzeit bereit, uns an der Gestaltung eines Leitbildes zu beteiligen. Es gibt Beispiele von Sponsorings beim HSV, die schon heute im Sinne eines solchen Leitbilds sind.
Der Hamburger SV ist ein gesellschaftlicher Akteur in Hamburg und darüber hinaus. Diese Verantwortung verlangt Haltung – gerade dann, wenn sie Geld kostet. Nur so bleibt der HSV ein Verein mit klaren Werten und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein.

Förderkreis Nordtribüne e.V.
Im Februar 2026

Cookie Consent mit Real Cookie Banner